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BIM Sondernewsletter 01/2014
BIM GmbH

,,...und abends in die Philharmonie..."

Mit „…und abends in die Philharmonie“ überschreiben wir unseren Sondernewsletter zum Jubiläum des berühmten Scharoun-Gebäudes im Berliner Tiergarten. Wolfgang Stresemann, ehemaliger Intendant der Berliner Philharmonie, gab seinem Erinnerungsbuch diesen Titel. Vom Baubeginn an hatte er das Haus begleitet. Zum Eröffnungskonzert am 15. Oktober 1963 schrieb er: „Zum ersten Male in seiner an Ruhm nicht armen Geschichte, besaß nun das Berliner Philharmonische Orchester ein eigenes Haus, überdies einen seiner demokratischen Verfassung entsprechenden, ‚freiheitlichen‘ Saal, Sinnbild mitmenschlicher Gemeinschaft.“

Zwar betreuen wir seit langem viele bedeutende Gebäude in unserer Stadt, aber vermutlich ist kein zweites wegen seiner außergewöhnlichen Architektur so weltbekannt wie der Konzertsaal der Berliner Philharmonie. Daher war es uns ein Anliegen, seine Geschichte zu erzählen.

Wir möchten bei der Gelegenheit darauf hinweisen, dass man nicht unbedingt bis zum Abend warten muss, um Musik in der Herbert-von-Karajan-Straße zu hören, das kann man bereits mittags tun, wenn die Philharmoniker zu Kammerkonzerten ins Foyer einladen.

Sven Lemiss
Geschäftsführer

 

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Fünf Schüsse für den guten Ton


DER SPIEGEL, 16. Oktober 1963: „Der Konzertsaal war abgedunkelt. Nur auf das Podium fiel Tiefstrahlerlicht. Dort hob ein Mann einen Trommelrevolver. Aus dem Dunkel kommandierte eine Stimme: ‚Jetzt! Gleich alle fünf! Der Mann auf dem Podium richtete den Revolver gegen die Saaldecke und feuerte in schneller Folge fünf Schüsse ab.“ Das Spektakel galt nicht etwa einer neuen „Tatort-Folge“, sondern der akustischen Messung für das Eröffnungskonzert der Philharmoniker im Neubau des Architekten Hans Scharoun in Tiergarten und erfolgte auf Veranlassung von Prof. Lothar Cremer. Cremer war als Leiter des Instituts für technische Akustik an der TU Berlin ein entscheidender Berater des Architekten.



Der 1893 in Bremen geborene Scharoun studierte bis zu seiner Teilnahme 1915 am Ersten Weltkrieg Architektur an der Technischen Hochschule Berlin. Nach dem Krieg wurde er freier Architekt in Breslau und erhielt 1925 eine Professur an der dortigen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe, die 1932 endete. Er kam zurück nach Berlin, arbeitete bis zur Ausbombung 1943 im eigenen Büro in der Passauer Straße. Von 1945 bis 1947 war er Stadtbaurat in Berlin. 1948 folgte die Berufung an die Fakultät für Architektur an der neu gegründeten Technischen Universität in Berlin-Charlottenburg. Nachdem er nicht sehr erfolgreich bei seinen stadtplanerischen Konzepten gewesen war, kam der Durchbruch, als er 1956 als Sieger aus dem Wettbewerb für den Neubau der Philharmonie hervorging.

Gemeinsam mit dem Architekten Werner Weber konnte er die einem Kollegen entlehnte Vorstellung, „…die Baugestalt aus dem Wesen der Bauaufgabe zu entwickeln“, verwirklichen. Sie wurde von vielen internationalen Architekten aufgegriffen. Sowohl das Sydney Opera House als auch das Parco della Musica in Rom oder die Walt Disney Music Hall in Los Angeles, selbst die Hamburger Elbphilharmonie, haben sich an Ber lin orientiert.



Bis zum heutigen Tag sorgt das Gebäude für Bewunderung und Diskussionsstoff, was sich allein schon in den Überschriften aller Publikationen zum 50-jährigen Geburtstag im Oktober 2013 niederschlug: „Hier spielt die Welt Musik“, „Musikkathedrale in der Stadtlandschaft“, „Der Mythos vom Zirkus Karajani“, „Ein Weinberg in der Riesenkathedrale“, „Das ist der Berliner Klang“ und weiter: „Der große Zauber entsteht im Saal“, „Wie von einem anderen Stern“, „Die Philharmonie – ein Wunderwerk im falschen Um feld“. Die Elogen ließen sich beliebig fortsetzen.

Das von Willy Brandt als damaligem Regierenden Bürgermeister von Berlin in seiner Festrede vom 15. Oktober 1963 aufgegriffene Zitat des Malers Franz Marc (1880-1916) hat sich bestätigt: „Wir werden im zwanzigsten Jahrhundert zwischen fremden Gesichtern, neuen Bildern und unerhörten Klängen leben.“ Auch Brandts in dieser Rede geäußerte Vision ist eingetreten: „Dieser Bau wurde geplant, bevor es die Mauer gab. Er ist den Mitbürgern im anderen Teil der Stadt entgegengebaut. Und das wird sich als richtig erweisen, wenn die Mauer nicht mehr steht.“



Bis zum Mauerbau war es üblich, dass viele Ost-Berliner in West-Berlin arbeiteten. Geregelt durch eine Lohnausgleichskasse wurden Lohn oder Gehalt in Ost- und zu einem geringeren Teil in Westmark ausgezahlt. Durch den plötzlichen Wegfall der Arbeitskräfte aus dem Ostteil ergab sich ein großes Problem, das natürlich auch den Philharmonie-Neubau betraf. In aller Eile mussten neue Kräfte gefunden werden. Der Bau, abgeschnitten von der Stadt, war nun, wie die „Berliner Morgenpost“ titelte: „Ein Wunderwerk im falschen Umfeld“, genauer gesagt, in einem Nichts mit Sicht auf die Mauer.

Ironie der Geschichte: Es hat mehr als ein Jahrzehnt gebraucht und viele stadtpolitische Auseinandersetzungen verursacht, um den heutigen Standort zwischen Matthäikirch- und Tiergartenstraße zu bestimmen. Freies Baugelände war entstanden zum einen durch ‚Arisierung‘ jüdischen Besitzes, zum anderen durch nachfolgende Kriegseinwirkungen. In der konfiszierten Villa der damaligen Tiergartenstraße 4 – heute teilweise durch die Philharmonie überbaut – etablierte sich die Bürozentrale für die Organisierung der Euthanasie-Morde, insbesondere in den Jahren 1940/41, später genannt „Aktion T 4“. Noch in diesem Jahr wird ein Gedenkort entstehen, an dem sich der Bund, Berlin und das Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ beteiligen.

Die Philharmonie steht schon lange nicht mehr allein auf weiter Flur. Sie hat Nachbarn bekommen: Die „Neue Nationalgalerie“ von Mies van der Rohe kam 1968 dazu. Es folgten 1978 die „Staatsbibliothek“ von Scharoun und Edgar Wisniewski, desgleichen 1984 das Staatliche Institut für Musikforschung und Musikinstrumenten-Museum, 1988 von Wisniewski der Kammermusiksaal. 1996 war das Kulturforum mit dem Kunstgewerbe-Museum, der Gemäldegalerie und dem Kupferstichkabinett vollendet. Die Matthäikirche, ein August-Stüler-Entwurf von 1844, hat alle Zeitläufe überdauert. Ihre Kriegsschäden wurden 1960 beseitigt.

Der Neuanfang

Bereits 1949, also wenige Jahre nach dem Krieg, gründete sich der Verein der Freunde der Berliner Philharmoniker. Dem großen persönlichen und finanziellen Einsatz seiner Mitglieder ist sowohl der Scharoun-Bau als auch der spätere Bau des Kammermusiksaals zu verdanken.

Heutige Förderprojekte beinhalten zum Beispiel den Ankauf und die Finanzierung von Instrumenten. Kürzlich erwarben die Freunde von einem ehemaligen Philharmoniker eine kostbare Violine aus dem Jahre 1754. Sie wurde leihweise der „Stiftung Berliner Philharmoniker“ übergeben und steht nun dem Konzertmeister zur Verfügung. Die Kaufsumme von 600.000 Euro geht vom Vorbesitzer an das Bundesjugendorchester, das -  zum ersten Mal gemeinsam mit dem Bundesjugendballett -  am 4. Mai 2014 in der Philharmonie auftrat.

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Der Gang hinter die Kulissen

Da die Philharmoniker gerade zu den jährlichen Osterfestspielen unterwegs waren, traf es sich gut, Ludwig Falta, Leiter des Gebäudemanagements, um eine Führung ins Innere des Gebäudes zu bitten. Es war 10 Uhr am Vormittag. Im Foyer brannte Licht. „Bitte denken Sie nicht, wir haben zu viel Geld, aber es muss jeden Tag geprüft werden, ob die Beleuchtung funktioniert.“

Daran schloss sich die Frage nach dem Tagesablauf an. „Um 4.30 Uhr erfolgt die Reinigung des ganzen Hauses. Klima, Lüftung und Beleuchtung werden geprüft. Um 10 Uhr findet die erste Probe statt. Bis dahin muss das Podium spielfertig eingerichtet sein. Stühle, Pulte, Noten, Instrumente, alles muss vorhanden sein. Die Vormittagsprobe geht bis ca. 13.30 Uhr. Nachmittagsproben sind meist um 16.15 Uhr angesetzt. Bekommen wir ein Gastorchester ins Haus, wird von der ersten Probe alles umgebaut. Das Gastorchester baut auf und mit der Unterstützung durch unsere Kollegen von der Veranstaltungstechnik wieder ab, damit der Aufbau für die Abendveranstaltung stattfinden kann.



Der Betrieb teilt sich auf in die Bühnentechnik, die für das spielfertige Podium sorgt, die Beleuchter, die Tontechnik und die Haustechnik. Man arbeitet im Schichtbetrieb. Nicht mehr als 35 Mitarbeiter stehen für Philharmonie und Kammermusiksaal zur Verfügung. 

Steht man auf dem Podium, kann man kaum glauben, dass hier 128 Musiker mit ebenso vielen Instrumenten, Pulten und Stühlen Platz haben. Dass das aber doch möglich ist, schildert Edgar Wisniewski in seiner ausführlichen Baubeschreibung des „flexiblen Orchesterpodiums“, - eingebaut 1975 - wie folgt: „Durch die elektrisch-motorisch angetriebenen Hubpodeste kann der Höhenaufbau des Podiums auf Knopfdruck in kürzester Zeit verändert werden und erlaubt alle Nuancierungen des Höhenreliefs für Konzertprogramme mit sehr unterschiedlichen Besetzungen.“ Dadurch entsteht genügend Bewegungsfreiheit für das Dirigentenpult, Stühle und Pulte für Solisten, Plätze für den Chor und den Flügel.

„Für den Flügel gibt es ein ausfahrbares und absenkbares Transportpodium, das zwei Haltestellen mit jeweils einem Zugang zum Lagerbereich hat. Einmal gibt es die so genannte Unterbühne. Die liegt eine Ebene unter dem Orchesterpodium. Das ist die alte Ebene des nicht benutzten Orchestergrabens“, erklärt Ludwig Falta. Die zweite Lagermöglichkeit liegt noch eine Ebene tiefer. Angetrieben wird das Transportpodium durch eine Spiraliftanlage, die einen reibungslosen Auf- und Abbau des Flügels möglich macht. Ludwig Falta hat diese       Spiraliftanlage in München gesehen und für Berlin organisiert.

Der Blick an die Decke ist faszinierend, weil so viel zu entdecken ist. Ludwig Falta erklärt: „Was aussieht wie ein Akkordeon, ist ein Zentralcluster, eine Beschallungsampel, ein Teil der kompletten elektroakustischen Anlage zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit. Die Schallsegel aus Glasfaser-Polyesterharz gibt es seit Baubeginn.“ Neben den vielen Lampen und Akustikelementen fallen besonders die kleinen herabhängenden Mikrofone auf, die der klanglichen Wiedergabe bei Übertragungen dienen. Seit einiger Zeit gibt es Übertitelungsdisplays, die für die Textverständlichkeit bei szenischen Opernaufführungen hilfreich sind.

Vom Podium führt der Weg ins Chefdirigentenzimmer. Man findet sich in einer kleinen, zweckmäßig möblierten Wohnung wieder. Es gibt eine Schrankwand, eine Couchgarnitur, einen Flügel, einen englischen Schreibtisch mit passendem Sessel aus der Karajan-Zeit, eine Garderobe und ein Bad. Beim Hinausgehen fällt der Blick auf eine Tür mit der Aufschrift „Blumenzimmer“. Von dort ist es nicht mehr weit zur Cafeteria, liebevoll Musiker-Foyer genannt.

Auf gleicher Ebene befinden sich die nach Instrumentengruppen zugeordneten Stimmzimmer, Räume für die Solisten, Konzertmeister und Musiker. Eine weitere Raumgruppe bilden der Chorprobensaal und die Umkleideräume. Im Erdgeschoss liegen der Musikereingang, die Elektro- Heizungs- und Lüftungszentrale.

Bevor es weiter geht, wirft man einen Blick in das Schlagzeug-Instrumentenlager. „Alles, was einen Ton hergibt, wird hier aufbewahrt“, sagt Ludwig Falta. Da gibt es das Waschbrett, den Amboss, Hammer und Bratpfanne, Kuhglocken, Triangel, Rumbakugeln, Becken, Windmaschine und vieles mehr.



Einen ganz anderen Raumeindruck bekommt man, steht man hoch oben direkt neben der Orgel, in deren unmittelbarer Nähe sich das Studio für die Digital Concert Hall Aufnahmen befindet. Das Studio 3, unter anderem für Rundfunk-Live-Sendungen benutzt und von der „Berliner Morgenpost“ als „Falkenhorst“ beschrieben, kam erst 1992 hinzu.

Aus dieser Höhe erschließt sich der Eindruck von dem oft beschriebenen Weinberg mit seinen Terrassen, die hier Block H bis K (hinter dem Orchester) heißen, E bis G, gefolgt von F.

Im Tal sind A und B, aufwärts geht es nach C und D, jeweils links und rechts. Jeder Block hat seinen eigenen Zugang. Die Reihennummerierung ist dezent, die der Plätze wiederholt sich und teilt sich in links und rechts, stets vom Podium aus gedacht. Irritationen eingeschlossen. Derjenige Besucher, der den 1. Platz einer Reihe hat, ist häufig damit beschäftigt, nach einem Blick auf die Karte, die hilfesuchend gezeigt wird, den richtigen Weg zu weisen, was oft eiliges Umsetzen zur Folge hat.

„Der Saalgrundriss ergab sich aus drei Pentagonen. Diese Fünfecke sind auf verschiedene Ebenen ineinander verdreht. Neuartig an dieser Saalkomposition ist die Grundidee, dass sich die Musik im Mittelpunkt befindet. Daher sind die Zuhörerplätze um das in der ideellen, nicht mathematischen Mitte liegende Orchester-Podium angeordnet“, Zitat „Architekturführer“ und weiter: „Dieser 2200 Plätze fassende Zuschauerraum wird von einer zwei- bis dreigeschossigen Schale getragen… Durch die zahlreichen, frei aufsteigenden Treppen ergibt sich eine bizarre, phantasievolle architektonische Landschaft.“

Einmal oben angekommen, geht es weiter bis buchstäblich unter das Dach, wo sich die gesamte Bühnentechnik befindet. „Im Theater“, sagt Ludwig Falta, hieße das Schnürboden. Er liegt direkt über der Saaldecke. Hier befindet sich alles, was zur Obermaschinerie gehört.“ Noch eine Treppe weiter und man sieht die Rohrleitung für die Fassadenlösch-Anlage. Nach den wirklich letzten Stufen erreicht man den Resonanzboden, der die Außengeräusche abdämpfen soll.

Heute kaum noch vorstellbar: Die Fassade der Philharmonie sah bis 1981 anders aus. „Als am 15. Oktober 1963 die Philharmonie eröffnet wurde, war sie baulich nicht fertig gestellt. Es fehlte unter anderem die Außenverkleidung mit der Wärmedämmung als Folge einer leider notwendigen Kosteneinsparung. Man nannte das Bauwerk daher auch „die Unvollendete“, sagte Hans Joachim Arndt im Rahmen einer Festveranstaltung des ‚Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin’ vom 14. Oktober 1979 in der Philharmonie. Sie bestand aus gelb (gold-ocker) angestrichenem Rohbeton. Erst mit Lottomitteln konnte Edgar Wisniewski die bereits von Scharoun angedachte Fassadenverkleidung verwirklichen. Scharoun, der 1972 starb, hat sie nicht mehr erlebt.



„Basierend auf anderen typischen Detailformen“, schreibt Wisniewski, „habe ich die goldfarben eloxierte Aluminium-Strukturplatte mit Pyramidenstümpfen entwickelt, die durch eine Polyester-Abdeckhaube geschützt, vielfältige Lichtbrechungen und Reflexionen bewirkt. Hierdurch entstand die Gold schimmernde visionäre Erscheinung…. Die hohen Kosten entstanden… auch durch eine Sprühflutanlage mit automatischen Temperatur-Maximal-Meldern. Die Ausführung dieser Löschvorrichtung bildet das Äquivalent zur Verwendung von Kunststoff als Fassadenmaterial.“

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Hier kommt die BIM ins Spiel

Portrait

© Petra Ramm

2011 wurde die BIM mit der Bewirtschaftung einer weiteren Kultur-Immobilie betraut: der Philharmonie. Seit dieser Zeit ist sie ein spannendes Aufgabengebiet für Property Managerin Petra Ramm und Michael Strauch vom Baumanagement.

Zwar kannte Petra Ramm den Bau von Konzertbesuchen her. „Aber, seitdem ich das Haus als Property Managerin betreuen darf, habe ich einen ganz anderen Blick bekommen. Ich mag das Gebäude unglaublich gern und freue mich, wenn ich da bin und keine Menschen drin sind. Wenn ich dann durch das Foyer laufe, egal ob Philharmonie oder Kammermusiksaal, das ist einfach toll. Da sieht man erst, wie schön alles ist. Am Tage leuchten die Camaro-Fenster anders als abends, und den schönen Natursteinboden aus Quarzit, Schiefer und Glasmosaik nehme ich bewusst wahr, ebenso die Leuchten im Foyer, die wir „Pusteblumen“ nennen.      

Die farbigen Glasbausteinfenster sind Entwürfe von Alexander Camaro. Geboren 1901 in Breslau, Ausbildung als Tänzer und Akrobat, Studium an der Breslauer Kunstakademie, Maler, Grafiker und Designer, Architekt, Professur an der Berliner Hochschule der Künste, mit Hans Scharoun befreundet, schuf er 1963 mit den Philharmonie-Fenstern sein berühmtestes Kunstwerk am Bau. Zitat Camaro: „Es ist immer wieder anders, zu jeder Stunde, bei jedem Licht eine andere Empfindsamkeit.“ Auch die Staatsbibliothek, das Musikinstrumentenmuseum und der Kammermusiksaal haben Fenster von Camaro, der 1992 in Berlin starb.

„Man muss auf Sachen gefasst sein, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat. Es ist ständig irgendetwas“, berichtet Petra Ramm, „wie zum Beispiel mit dem Glasmosaikfußboden, der laufend restauriert wird. Ludwig Falta erklärte mir: ‚Der Entwurf stammt von Erich F. Reuter. Bei den Glasmosaiken sind Materialien in den Farben weiß, rot und petrol, sowie violett, grün, gelb und blau in verschiedenen Farbnuancen verlegt. Das Material wurde in italienischen Glashütten hergestellt und von dort bezogen. In Abstimmungsgesprächen und Recherchen mit dem Landesdenkmalamt gelang es uns, eine Firma zu finden, die in der Lage war, Originalmaterialien aus Italien zu beschaffen und die Restaurierungsarbeiten fachgerecht auszuführen. Da bereits bei kleineren Schäden die Gefahr besteht, dass sich die Schadensstelle schnell vergrößert, ist jeweils eine zeitnahe Reparatur notwendig‘.“

Der Berliner Bildhauer Professor Erich Fritz Reuter (1911-1997) war Meisterschüler an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. 1942, während seiner Militärzeit, hatte er Gelegenheit, die Kunstakademie in Palermo zu besuchen. Nach dem Krieg lehrte er als Professor für Plastik an der TU Berlin und wurde in den 60er Jahren Gastprofessor an der TU Istanbul. Er schuf Reliefs, Mosaiken, Büsten und Skulpturen im öffentlichen Raum. Der Natursteinboden im Foyer der Philharmonie wurde 1963 verlegt, Jahre später gestaltete er den Boden in der Staatsbibliothek.

Die „Pusteblumen“ von Günter Ssymmank beschreibt Edgar Wisniewski wie folgt: „Die kugelförmigen Leuchten…wurden aus je 72 Fünfeckflächen aus Polyamid auf einem kugelförmigen Kunststoffgerüst zusammengesetzt. Sie wurden als industrielles Serienprodukt speziell für die Philharmonie entwickelt.“ „Darunter sieht man gut aus“, sagte der Schöpfer, „das ist Sonnenuntergangslicht“, ist in der „Berliner Zeitung“ vom 17. Februar 2007 nachzulesen. Ssymmank, Jahrgang 1919, Sohn eines Generaldirektors der Bautzener Waggonfabrik, Architekt und Industriegestalter, Assistent von Scharoun, beschäftigte sich mit Goethe und Newton, um dem „5. Element“, Licht, nahe zu kommen. Seine Leuchten gehören seit Jahrzehnten in den Sammlungsbestand des Museums of Modern Art New York. Bis zu seinem Tode im Jahre 2009 arbeitete er an neuen Entwürfen.

Über all dem, was Petra Ramm in enger Zusammenarbeit mit Michael Strauch vom Baumanagement zu bedenken hat, steht die Sicherung von Leib und Leben, die Überlegung, kann eventuell Gefahr im Verzug sein oder ist die Gefährdung des Spielbetriebs zu befürchten. Sie denkt da zum Beispiel an die Notsanierung bei der Glaswand am Technikerbereich, die sich nach außen gesenkt hatte. Der Schaden wurde zügig behoben. Größere Arbeiten, wie die alljährliche Wartung der Sitzplatzanlage, können nur in der spielfreien Zeit vorgenommen werden.

Für das Baumanagement ging es in der Vergangenheit um die Erneuerung der Obermaschinerie und der Dimmeranlage, der Sanierung der Kellerdecke des Kammermusiksaals und des Flachdaches. „Für 2014 ist die Anbindung der Philharmonie an die Fernkälte vorgesehen, die Erneuerung des Saal-Luftwäschers und der Sicherheitsbeleuchtung“, ergänzt Michael Strauch. Darüber wird der abendliche Konzertbesucher nicht nachdenken, aber es gern registrieren: Alles ist gut.

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Die Musik und ihre Interpreten

Ein Orchester entsteht

In besonderen Lebensmomenten kann der Himmel voller Geigen hängen, aber vom Himmel gefallene Orchester gibt es nicht. Johann Ernst Benjamin Bilse, Mitglied der Kapelle von Johann Strauß (Vater) in Wien und späterer Leiter der Stadtkapelle seiner Heimatstadt Liegnitz, gründete die „Bilsesche Kapelle“ mit der er 1867 nach Berlin ging und im „Concerthaus“ in der Leipziger Straße 48 konzertierte. Die „Bilsekonzerte“ genannten Auftritte fanden Anklang. Für so genannte ernste Musik wurde einmal sogar Richard Wagner als Gastdirigent verpflichtet. Als es zwischen Bilse und mehreren Musikern zum Bruch kam, schlossen sich 54 Mitglieder zu einem eigenen Orchester zusammen, das sie selbst leiten und verwalten wollten. Gründungstag war der 1. Mai 1882. Die neue Gruppe nannte sich „Frühere Bilsesche Kapelle“ und trat im Gartenlokal „Flora“ in Charlottenburg auf. Noch im gleichen Jahr übernahm der Konzertagent Hermann Wolff den Klangkörper und fand in einer ehemaligen Rollschuhbahn in der Bernburger Straße in Kreuzberg einen geeigneten Auftrittsraum für das „Berliner Philharmonische Orchester“, wie es nun hieß. Sechs Jahre später hatte der Architekt Franz Heinrich Schwechten die Rollschuhbahn in Berlins damals bedeutendsten Konzertsaal, die „ Philharmonie“, verwandelt. 1944 wurde er bei einem Fliegerangriff zerstört.



Die Chef-Maestri

In der Geschichte der Berliner Philharmoniker werden ihre Chef-Dirigenten auf besondere Weise gewürdigt. Es ist die Ära eines jeden von ihnen, die in Erinnerung bleiben soll. Von 1887 bis 1892 war es Hans von Bülow, der als großer Orchestererzieher beschrieben wird. Nach ihm, bis 1922, war es Arthur Nikisch, der Seelenvolle, dessen Einfühlungsvermögen hervorgehoben wird. Auf ihn folgte, mit Unterbrechungen bis 1954, der „Musikmagier und MachtmenschWilhelm Furtwängler, dessen ungewohnte Schlagtechnik dem Orchester einiges abverlangte. „Furtwängler formte die Berliner Philharmoniker zu seinem ureigensten Instrument, das seine interpretatorischen Vorstellungen kongenial umsetzte.“ Für nachfolgende Kollegen war er beispielgebend. So gut er es vermochte, versuchte er, sich dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen.



 Als „Klangästhet und Medienstar“ wird Herbert von Karajan beschrieben, der dem Orchester von 1956 bis 1989 vorstand. „Karajan verkörperte den Dirigententyp des 20. Jahrhunderts: energisch, charismatisch, visionär...“. Wie visionär, das beweist sein beharrliches Eintreten für den Neubau der Philharmonie. „Herbert von Karajan hat die Philharmonie als Marke etabliert“, schrieb DIE ZEIT am 29. März 2013. Unter seiner Ägide entwickelten sich in vorher nie gekannter Fülle Ton- und Bildaufzeichnungen. Es kamen Einladungen an das Orchester in alle Erdteile. Um jungen Dirigenten eine Chance zu geben, entstanden die Herbert-von-Karajan-Dirigierwettbewerbe und ab 1972 die Orchester-Akademie für den Sprung junger Kräfte in ein Eliteorchester. - Zwar gelang ihm die Förderung der weltberühmten Geigerin Anne-Sophie Mutter, aber die ebenso weltberühmte heutige Solo-Klarinettistin Sabine Meyer ins Orchester zu holen, blieb ihm versagt. Eine Frau hatte es aber doch geschafft: 1982 kam die Schweizerin Madeleine Carruzzo als „1. Violine“ hinzu.

 

Maestro mit Kultstatus“ heißt es bei Claudio Abbado, dessen Wahl zum Chefdirigenten am 8. Oktober 1989 offiziell verkündet wurde. Als Maestro verstand er sich nicht. „Ich bin Claudio, für alle“, so stellte er sich seinen Musikern vor, für die er kein Unbekannter war. Er hatte viele Male zuvor als Gastdirigent mit ihnen gearbeitet. Zeitgleich mit Abbados Amtsantritt fiel Stück für Stück die Mauer. Überall war Aufbruch. Selbst im Orchester. Es fand ein Generationswechsel statt, und viele junge Musiker kamen hinzu.Einer von ihnen war der Israeli Guy Braunstein, der als Konzertmeister in der ersten Reihe saß. Dass er einmal zusammen mit Ludwig Quandt, dem langjährigen Solo-Cellisten, Abbados letzten Weg am Sarg begleiten würde, konnte er nicht ahnen.

Abbado schuf Konzertzyklen, die sich an der klassischen Literatur orientierten. Halbszenische Opernaufführungen gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie die Pflege zeitgenössischer Kompositionen. Phänomenal war sein Dirigierstil, der Gänsehautmomente erzeugen konnte, wie im ‚Tagesspiegel‘ nachzulesen war. Er machte jede Note erlebbar und brauchte so gut wie nie ein Notenblatt. „Hören Sie, hören Sie zu, warten Sie nicht auf mich. Wenn die Flöte einsetzt, gehen Sie mit“, ermunterte er seine Musiker. Er vermochte, auch die Zuhörer so in seinen Bann zu ziehen, dass sie mit ihrem Beifall innehielten, um den letzten Ton nachklingen zu lassen. „Die Stille hören“ entsprach Abbados Lebensstil.

2002 verabschiedete er sich in Berlin mit einem denkwürdigen Konzert. Er dirigierte Dimitri Schostakowitschs Musik zu Grigori Kosinzews Film „King Lear“, der parallel gezeigt wurde. Sein Abschlusskonzert als Chefdirigent mit den Philharmonikern gab er im Wiener Musikvereinssaal. Dort hatte er dirigiert, bevor er nach Berlin gerufen wurde. Aus dem Publikum regnete es Blumen auf ihn herab, bis er buchstäblich auf einem Blumenteppich stand, und mit jeder Umarmung der Damen des Orchesters hatte er eine rote Rose mehr in der Hand.

Er blieb dem Orchester bis zu seinem Tod im Januar 2014 verbunden. Jedes Jahr im Mai kam er für drei schon Wochen vorher ausverkaufte Konzerte zurück. 2008, man war gerade bei einer Orchesterprobe für Berlioz „Te Deum“, brannte es im Dachstuhl der Philharmonie. Menschen kamen nicht zu Schaden, das Feuer konnte bald gelöscht werden, nur musizieren, das konnte man nicht. Da in der Philharmonie eine dreimalige Programmfolge üblich ist, wurden alle drei Abende zu einem in der Berliner Waldbühne zusammengefasst.

Eingeladene Ehrengäste unter den 23.000 Zuschauern waren die Männer der Berliner Feuerwehr und Polizei mit ihren Familien. Begrüßt wurden sie vom Chefdirigenten Sir Simon Rattle: „Sie haben so viel für uns getan. Ohne Sie hätten wir keine Philharmonie mehr“, hielt die ‚Berliner Zeitung‘ fest. - Das Wetter war gut und beim einleitenden Beethoven-Klavierkonzert stimmte von fern ein Waldvogel mit ein.

Im Nachhinein erwies sich die Waldbühne gerade für das „Te Deum“ als idealer Ort. Mit den Philharmonikern, den Solisten, zwei Rundfunk- und sieben Kinderchören der Berliner Oberschulen, dem Staats- und Domchor waren 720 Mitwirkende im Einsatz. „Berlioz hat mit diesem Stück das Andenken Napoleons I. und die Krönung Napoleons III. gefeiert. Das Publikum jubelte ... [als] sich auf dem leeren Podium ein letztes Mal Claudio Abbado zeigte, da rauscht der Applaus jäh auf, als sei Napoleon von Elba zurück und das Reich wieder sein“, schließt die ‚Berliner Zeitung‘ ihre Rezension.



Neben dem von ihm neu aufgestellten Luzern Festival Orchestra war er Zeit seines 80-jährigen Lebens ein unermüdlicher Förderer junger Musiker. Auf ihn geht die Gründung von fünf Jugend-Orchestern zurück. „Das Unerhörte am späten Abbado ist seine Kunst, Natur und Geist, Eleganz und analytische Klarheit, Schönheit und Grausamkeit zusammenzubringen“, urteilte ‚Der Tagesspiegel‘ nach Abbados letztem Berliner Konzert vom Mai 2013.

Sir Simon Rattle

Der Unkonventionelle“ ist ihm vorangeschrieben. Nach Claudio Abbado galt es, „… eine Persönlichkeit zu finden, die das Orchester auf das 21. Jahrhundert einstimmt.“ Sir Simon Rattle (1994 von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben) war Künstlerischer Leiter des City of Birmingham Symphony Orchestra, … „als die Musiker sich einen Chef wählten, der mit dem Ziel antrat, die Philharmoniker zu einem ‚durch und durch europäischen Orchester zu formen’.“



Mehr als 50 Gastdirigate hatte er bei den Berlinern bereits gegeben, als er am 7. September 2002 seinen mit großen Erwartungen erfüllten Einstand gab. Dafür hatte er – der 5. Sinfonie von Gustav Mahler vorangestellt – ein eigens für ihn komponiertes Stück seines Landsmannes Thomas Adès ausgewählt. Es hieß „Asyla“, das im Englischen eine doppelte Bedeutung hat. Es kann Irrenhaus bedeuten, aber auch Zufluchtsort sein.

Simon Rattles Repertoire beinhaltet sowohl Werke der Wiener Klassik als auch zeitgenössische Komponisten. Zwei Klassiker hebt er heute besonders hervor: Robert Schumann und Joseph Haydn, „…der derjenige wäre, den ich am liebsten zum Essen einladen würde“, verrät er in einem SPIEGEL-Interview vom September 2013. Großes Aufsehen erregte 2002 eine von dem amerikanischen Theaterregisseur Peter Sellars gestaltete Aufführung der Matthäus-Passion, „das Wichtigste, was wir hier gemacht haben“, so Rattle. Das diesjährige Projekt war die Johannes-Passion, die sowohl in Berlin als auch bei den seit 2013 in Baden-Baden stattfindenden Osterfestspielen gezeigt wurde.

„Das Wichtigste, was Musik überhaupt leisten kann, ist für mich, Menschen zusammenzubringen“ entspricht seinem Empfinden und „Musik ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis“. Unterstützt wird seine Einstellung u.a. durch die Digital Concert Hall. Sowohl Simon Rattle als auch die Berliner Philharmoniker und die seit 2009 archivierten Konzerte sind dadurch bequem und kostengünstig für jeden nachzuerleben. Nicht zu vergessen, die Lunchkonzerte, die bis auf wenige Ausnahmen dienstags um 13 Uhr im Foyer der Philharmonie Kammermusik darbieten und inzwischen zu einer festen Institution geworden sind.

Ein weiterer beispielhafter Anreiz, an klassische Musik herangeführt zu werden, sind die Education-Programme. Kinder und Jugendliche werden durch Tanzprojekte, die jährlich in der „Arena Treptow“ stattfinden, aktiv einbezogen. Der preisgekrönte Film „Rhythm is it“ ist das Ergebnis der legendären Inszenierung von Strawinskys „Le Sacre du printemps“.

Bald nach seinem Amtseintritt entstand die Stiftung Berliner Philharmoniker und vor kurzem wurde ein eigenes Label gegründet, das „Berliner Philharmoniker Recordings“ heißt.- Seit November 2007 sind die Philharmoniker und ihr künstlerischer Leiter internationale UNICEF-Botschafter, eine für Deutschland einmalige Auszeichnung.

2018 wird Sir Simon Rattle die Berliner Philharmoniker verlassen. Bis dahin bleibt genügend Zeit, einen Chefdirigenten zu finden, der ihre hohen Erwartungen erfüllt.

 

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Besondere Begebenheiten

Vicco von Bülow, alias „Loriot“, dirigierte das Orchester mehrfach. 1979, beim Bundeskanzlerfest aus „Versehen“, als er als Klaviertransporteur in blauen Latzhosen zum spielbereiten Orchester ging und mit rudernden Armbewegungen versuchte, eine ihn störende Fliege zu fangen. Das Orchester nahm das zum Anlass, mit dem Spiel zu beginnen. Die Fliege wurde gefangen, und Loriot beschloss, nicht mehr Klaviere zu transportieren, sondern Dirigent zu werden, weil das ja viel leichter sei.

1982 wurde das Philharmonische Orchester 100 Jahre alt. Während des mehrstündigen bunten musikalischen Programms dirigierte er in Frack und mit ernster Miene ein „Hustenkonzert“. Kräftige Huster und Nieser aus dem Publikum und „Husten-Solisten“ aus dem Orchester wurden sehr effizient integriert.

An diesem besonderen Abend sorgte auch der amerikanische Geigenvirtuose Yehudi Menuhin für eine Überraschung. Trotz seiner 66 Jahre stand er kopf und dirigierte das Orchester für eine kurze Zeit mit den Füßen. Allerdings entschied er sich für eine Mini-Version der 5. Symphonie von Beethoven. Die Besucher quittierten diese Einlage mit stürmischem Applaus.

„Ich bin sicher, Beethoven würde uns zustimmen“, sagte der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein, als er kurz nach dem Mauerfall im Dezember 1990 die 9. Sinfonie dirigierte und den Chor statt „Ode an die Freude - Ode an die Freiheit“ singen ließ. Wer das Konzert miterlebte, wird nie vergessen, wie ihn seine Begeisterung für die neue politische Situation überwältigte und ihn wie einen Gummiball auf dem Podium hin- und hertanzen ließ.

Allgemeines aus dem Orchesterbetrieb

Wer schon einmal im Konzert erlebt hat, dass die Saite einer Violine reißt, ist beeindruckt davon, mit welcher scheinbaren Gelassenheit eine neue aufgezogen wird. „Normalerweise hat jeder Streicher Ersatzsaiten dabei. Das Wechseln hinter der Bühne geht schnell. Wir versuchen aber auch, in der Pause eine neue Saite aufzuziehen. Wenn es im Konzert passiert, dann muss man natürlich schnell sein. Größere Reparaturen werden selbstverständlich außer Haus gegeben“, erklärt Kristin Wömmel, Assistentin des Orchestervorstands.

Von dem legendären Pianisten Vladimir Horowitz ist überliefert, dass er meistens seinen eigenen Flügel mitbrachte. Das ist natürlich nicht die Norm und daher interessiert die Frage, welche Möglichkeiten zum Beispiel ein Gast-Pianist hat, wenn er ins Haus kommt. „Jeder Pianist hat spezielle Vorstellungen und kann verschiedene Flügel ausprobieren vor dem Konzert. Die stehen bereit“, ist zu erfahren.

Zwar kennt man die alberne Antwort auf die Frage, wie kommt man in die Philharmonie, die da lautet: üben, üben, üben. Aber wie ist es wirklich? Dazu Kristin Wömmel: „Es gibt ein offizielles Bewerbungsverfahren. Man bewirbt sich auf eine Anzeige, die in „Das Orchester“ veröffentlicht wird und sich auf alle offenen Stellen von uns bezieht. Die Bewerbung kann bei mir eingereicht werden. Ich gebe sie an die jeweilige Instrumentengruppe weiter, die zum Probespiel einlädt, bei dem das ganze Orchester zuhört. Die Abstimmung über den Kandidaten erfolgt wiederum durch das ganze Orchester. Das gehört zum demokratischen Selbstverständnis, das bei uns gepflegt wird. Wir haben gerade unseren jüngsten neuen Musiker bekommen. Er hat mit 19 Jahren die Stelle der 2. Trompete gewonnen.“

Der Beruf eines Musikers ist erfüllend, aber auch sehr anstrengend. Bedenkt man, wie „verwinkelt“ die Haltung am Cello, Kontrabass oder an der Violine ist, bedarf es eines entspannenden Ausgleichs. „Jeder Musiker hängt nicht nur seine Abendgarderobe hier in einen Schrank, er hat auch seine Sportsachen dabei. Manchmal spielen sie im nahe gelegenen Tiergarten zwischen der Nachmittagsprobe und dem Abendauftritt Fußball. Dann gibt es noch das berühmte Orchesterturnier, wo Mannschaften aus den Orchestern der Staatsoper, der Komischen Oper, den Berliner Philharmonikern, Schülern des Philipp-Emanuel-Bach-Gymnasiums, Konzerthausorchester, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Deutsches Symphonie Orchester Fußball spielen“, zählt Kristin Wömmel auf.

Eigene, mehr oder weniger gut tragbare Instrumente nehmen die Musiker mit nach Hause,  um – sofern die Nachbarn es zulassen – auch dort üben zu können. Doch einen Kontrabass, eine Harfe, einen Flügel kann man sich nicht unter den Arm klemmen, und man möchte wissen, wo sie aufbewahrt werden. „Dafür gibt es Extraräume, die eine spezielle Klimatisierung haben. Es gibt eine Basskammer“, sagt Kristin Wömmel und fragt, ob man sie sehen möchte. Ja, natürlich, und so steht man in einem ziemlich kleinen, dunklen Raum mit einer auf die Instrumente abgestimmten Wärme und Luftfeuchtigkeit. Für jeden Bass gibt es eine Kabine, und an jeder steht der Name des Musikers. Die meisten Kabinen sind leer. Neun Bässe sind draußen auf dem Podium. Sie werden einzeln dorthin getragen, und alle haben ihr beachtliches Gewicht.

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Das Fest am Kulturformum am 14. und 15. Juni 2014

„Erstmals schließen sich alle kulturellen Einrichtungen am Berliner Kulturforum zusammen und veranstalten gemeinsam ein zweitägiges Fest auf den sie verbindenden Freiflächen und in ihren Häusern. Die Vielfalt der an diesem Ort versammelten Institutionen erlaubt ein abwechslungsreiches Programm zu Kunst, Kultur, Geschichte und Gegenwart“, informiert die Stiftung der Berliner Philharmoniker. Dazu Martin Hoffmann, Intendant der Stiftung: „Mit dem Fest am Kulturforum wollen wir den Berlinerinnen und Berlinern die Gelegenheit bieten, das Kulturforum neu zu erleben. Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen und Museen hat mir gezeigt, wie sehr uns allen die Zukunft des Kulturforums am Herzen liegt.“

Die Veranstalter sind neben der Stiftung Berliner Philharmoniker, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Museen Neue Nationalgalerie, Kunstbibliothek, Kupferstichkabinett, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum, Museum Europäischer Kulturen, Musikinstrumenten-Museum, Staatsbibliothek zu Berlin, Ibero-Amerkanisches Institut. Kooperationspartner ist die Stiftung St. Matthäus.

Das Programm in allen Einzelheiten: www.fest-am-kulturforum.de/

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Quellennachweis:

Stiftung Berliner Philharmoniker; Edgar Wisniewski „Die Berliner Philharmonie und ihr Kammermusiksaal“; Rede Hans-Joachim Arndt vom 14. 10. 1979; Architekturführer 5. Auflage; Berliner Tagespresse; DER SPIEGEL; DIE ZEIT; Wikipedia; Bildmaterial: Stiftung Berliner Philharmoniker, „Musik“ pixelio Judith Lisser-Meister

Texte: Kristina Behnke

Redaktion: Katja Cwejn, Kristina Behnke, Johanna Steinke

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